Zeiten des Sturms

Lustbarkeiten

 

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Versonnen strich Anril über die große Narbe an seinem Oberschenkel. Sie war längst verheilt und trotzdem waren an manchen Tagen das Fieber und die Schmerzen so spürbar wie an diesen längst vergangenen Tagen.

“Anril, mein Schöner.” Quintus Ehrenberg trat hinter ihn und legte ihm dominant die Hand auf die Schulter. Anril sah den Mann durch den polierten Silberspiegel an und interpretierte den lüsternen Blick wohl richtig. “Wir könnten noch einmal…”, raunte er ihm ins Ohr. Anril lachte leise, legte den Kopf zur Seite und drückte Quintus einen Kuss aufs Kinn. “Wenn ich mich jetzt nicht anziehe, werden wir zu spät kommen.”

“Sehr bedauerlich.”, murmelte Quintus und strich über Anrils Brust und Nacken. Anril stoppte die gierigen Hände, führte sich für einen kurzen Kuss zum Mund und stand dann auf, um seine Kleidung vom Boden aufzusammeln. Flink zog er sich an und kehrte zum Spiegel zurück, um die Falten herrauszustreichen.

“Du bist schon wieder gewachsen, Hübscher. Ich werde den Schneider für morgen bestellen.” Quintus zupfte an Anrils Weste. “Obwohl ich diese enge Kleidung sehr mag. Sie betont deine Schönheit.”

Anril lächelte sanft und drängte Quintus zum Aufbruch.

 

Ein Diener trug eine Licht vor ihnen her als sie durch die Straßen Arwingens gingen. Anril zog den weichen Pelzmantel um sich, als die scharfen Winde aus dem Norden unter seine Kleidung zu fahren drohten. Anstatt die Drachlingsbrücke zu überqueren, stiegen sie eine schmale Treppe zur Aar herab und ließen den Diener zurück. Vorsichtig folgte Anril Quintus auf einem schmalen Pfad unter die Brücke. Neben ihm rauschte die Aar um die Brückenpfeiler und er hielt inne. Er liebte das Geräusch und den Geruch von Wasser.

“Abgelenkt?”, fragte Quintus und griff nach seinem Arm. Vor ihnen quietschte ein Abflussgitter auf und ein massiger Kerl versperrte ihnen den Weg.

“Passwort?”

“Mondsteinmaske”, erwiderte Anril und Quintus’ Griff lockerte sich, damit er über den Arm streichen konnte. Dann führte er eine Maske zu Anrils Gesicht und verknotete das Band an seinem Hinterkopf, bevor er sich seine eigene überzog.

“Ich liebe es, dass du solche Dinge weißt und mich an jeden Ort in dieser Stadt bringen kannst. Du bist so verrucht.”

“Du möchtest doch gar nicht alles von Arwingen sehen. Es gibt auch hässliche Seiten.” Quintus Lachen hallte von den Wänden des Tunnels wieder.

“Du kennst mich zu gut, mein Schöner.” Besitzergreifend fuhr seine Hand unter den Mantel und täschelte Anrils Hintern. Anril schmiegte sich an den weichen Körper des Mannes und warf ihm einen verheißungsvollen Blick unter getuschten Wimpern zu.

Ein paar Minuten Fußweg trennte das Paar von dem Saal, in dem die Veranstaltung stattfinden würde. Anril war immer wieder fasziniert von den Tiefen unter der Stadt; alte Drachlingsruinen über die das heutige Arwingen gebaut worden war. Die Katakombe, die sie betraten möchte von den ausgestorbenen Reptilien als Versammlungsort genutzt worden sein, heute diente es als Theater für geheime Auführungen und Kämpfe. Die Sitzreihen zogen sich wie große Stufen bis zur Tribüne herrab und durch die Trichterform könnte man auf den obersten Rängen das leiseste Flüstern von der Bühne hören. Wenn Hunde- oder Boxkämpfe stattfanden, dröhnte der Lärm so laut durch die Höhle, dass ein feinfühliges Wesen das Vibrieren im Boden der Stadt spüren konnte.

 

Heute stand jedoch ein Theaterstück auf dem Programm. Erotisches Theater; der Grund warum überall auf den Rängen weiche Matten und Kissen verteilt waren. Bis auf die Bühne war der Raum nur spärlich beleuchtet. Es reichte gerade dafür, dass Anril Quintus zu ihren Plätzen führen konnte. Sie machten es sich gemütlich, Quintus zogen Anril über sich und begann an der Schnürung seiner Weste zu nesteln.

“Nicht so vorschnell, das Stück hat noch nicht mal angefangen.”, wehrte Anril ab und befriedigte die Ungeduld damit, dass er über den Bauch des Mannes strich.

Weitere Gäste kamen an ihrem Platz vorbei, doch die Masken verbargen jede Identität.   

Diener mit schwarzen Masken und glühenden Augen löschten die Hälfte der Feuerbecken und verstreuten sich dann auf den Rängen um die Gäste mit Köstlichkeiten zu bedienen.

 

Auf der Bühne tanzen leicht bekleidete junge Männer und Frauen einen Reigen. Prachtvolle Blumen und bunte Bänder schmückten ihre Haare und Hälse und leichte Stoffe, die mehr offenbarten als verdeckten, umflatterten die schönen Körper.       

 

Quintus ließ von Anril ab und betrachtete das Treiben auf der Bühne. Gelangweilt lehnte Anril sich zurück und schmiegte sich in die Kissen. Er war zufrieden mit dieser Ablenkung, auch wenn er selber keine Freude oder Lust verspürte, wenn er die Tänzer beobachtete.

Er zog es vor sich auf das vorzubereiten was später kommen würde. Wenn das Stück vorbei wäre, würde Quintus rattig sein und sich auf ihn stürzen. Es war sogar fraglich, ob sie es bis zu seinem Haus zurück schaffen würden. Er musste die Kontrolle behalten, Quintus führen und befriedigen. Wenn er zufrieden wäre, würde er gute Verhandlungen mit Niqua führen und nur wenn diese zufrieden wäre, würde sie ihn in Ruhe lassen. So wie die letzten drei Jahre. Er ließ sich Zeit mit den Vorbereitungen, beobachtete Quintus und merkte sich, welche Vorführungen diesen am meisten anregten.

 

Nach Stunden erklang das Abschlussorchester und die Schauspieler und Tänzer kamen auf die Bühne und verbeugten sich.

Quintus applaudierte begeistert und auch Anril klatschte.

“Anril, ich will dich jetzt.”, raunte Quintus und beugte sich zu dem jungen Alb vor..

“Ich weiß.”, schmunzelte Anril und zog den alten Mann über sich.

 

 

Müde rollte Anril sich zusammen und zog sich ein Laken über den nackten Körper. Er hatte nicht erwartet, dass diese Nacht erholsam sein würde, aber er hatte vielleicht zwei Stunden geschlafen, bevor Quintus ihn wieder weckt und nach einer neuen Runde verlangte. Wenigstens konnte er nun ausruhen, schlafen und sich am Besten nicht bewegen. Er schloss die Augen, wollte sich dem Schlaf ergeben, als es am Fenster klopfte. Schlagartig war er hellwach und ruckte hoch. Schmerz durchzuckte ihn, ob der plötzlichen Bewegung, doch er drängte ihn genau wie die Müdigkeit in den Hintergrund.

Hastig stand er auf, zog das Tuch um sich und öffnete das Fenster. Annika betrat den Raum, als würde sie durch eine Tür schreiten.       

“Harte Nacht gehabt?”, fragte sie, nachdem sie ihren Schützling von oben bis unten gemustert hatte.

“Du machst dir keine Vorstellung.”, murrte Anril, ließ das Laken fallen und klaubte seine Kleidung vom Boden.

Annika schnaubte amüsiert, zupfte Anrils Tunika von der Kommode und reichte sie ihm. Dann zog sie einige Phiolen aus der Gürteltasche. “Gegen die Schmerzen, gegen die Müdigkeit und einer damit du frischer aussiehst.”

Anril trank und genoss die prompte Wirkung der Tränke. Annikas scharfer Blick ruhte auf ihm als er sich streckte und sich fertig anzog.

“Niqua verlangt nach dir.”, flüsterte sie und beobachtete Anrils Reaktion. Dieser zuckte zusammen und ihm entglitten die Schnüre, die er gerade zu einem Knoten knüpfen wollte.

“Alleine?”

Annika nickte. “Ich werde auf dich warten.”

Dankbar lehnte sich Anril an seine Lehrerin und nahm den Trost auf, den sie ihm spendete.

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