Zeiten des Sturms

Die Zelle

SuYis Augen schlossen sich erneut und sie konzentrierte sich darauf ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren. Sie wollte nicht wieder einschlafen und noch mehr der kostbaren Zeit verschenken als sie schon hatte.

Auch wenn sie das Gefühl hatte diese Fahrt würde sich ins Unermässliche ziehen wusste sie dass sie in einem Wimpernschlag zu ende sein würde.

Sie strich mit ihren Fingern vorsichtig über kräftige Glieder, nahm das Gefühl der weichen Haare über definierten Muskeln tief in ihr Herz um es dort sicher zu verstauen. 

Schlaf schien so überflüssig, so eine große Zeitverschwendung wenn die Zeit für das Wesen über dessen Finger sie strich doch so begrenzt erschien.

Sie drückte leicht ihre Stirn an die Finger die er für sie in der kleinen Öffnung der Tür durch die Gitterstäbe geschoben und dort ruhen liess.

Wie gerne sie sein Herz erhellen und erleichtern würde ob des furchtbaren Schicksals das unabänderlich vor ihm lag.

Wie gerne würde sie hoch gehen und für ihn streiten, mit ihrer Stimme, ihrem Verstand und notfalls auch ihrem Kriegsfächer. Doch wusste sie dass sie nicht gegen ihre Freunde die sie unter sich aufgenommen und denen sie ihr Herz geschenkt hatte kämpfen konnte und dass trotz allem Ronaus Schuldspruch gnädig war und die einzige wenn auch geringe Chance auf Marans Überleben bot.

Alles war gnädiger als die Alternative. Sie war so dankbar über seine Ehrlichkeit, so dass er sich weiteren Befragungen entziehen konnte… sie hätte den Gedanken ob der Folter und des anschließenden grausigen Endes nicht ertragen.

War das ein Streichen seines Fingers über ihre Stirn?

Sie blinzelte. Das hatte sie sich bestimmt eingebildet.

Sie war sich immer noch unsicher ob seiner Gefühle. Warum verwirrte er sie so sehr wo sie andere lesen konnte wie ein Buch? War es weil er ein Varg war?  Oder weil ihre eigenen Gefühle zu den unpassensten Momenten an die Oberfläche traten und so in ihr widerstritten dass sie an seinen Ausdrücken verzweifelte? 

Nie hatte sie sich über einen Blick von der Seite, einem Kräuseln der Nase oder einer Körperbewegung so verrückt gemacht. Wenn er sie ansah und sie nicht verstand warum fühlte sie sich warm und so unsicher.

War die zu aufdringlich? Zu zurückhaltend? War er abgestoßen von ihr? War er… angezogen von ihr? Sie hatte keine so lange Nase wie er oder weiche Ohren. Waren ihre Beine in seinen Augen unförmig oder sogar hässlich? Wenn sie sich bewegt mochte er es oder war es unnatürlich für ihn?

Er bewegte sich so wunderschön, so im Einklang mit der Natur, fließend wie ein Tanz und voller Kraft wie ein Raubtier.

Sie schluckte. Sie hoffte wirklich nicht zu aufdringlich zu sein.

Wie gern sie ihn berühren würde und so viel mehr. Sie hätte nie gedacht dass sie trotz all der Jahre in denen sie Zurückhaltung gelernt hatte so wenig Selbstkontrolle besaß.

"SuYi" diese warme raue Stimme führte auch dieses Mal unfehlbar zu dem wohligen Schauer der ihr über den Rücken  fuhr. "Kintari wird gleich hier sein."

Sie schluckte.  Und wieder diese Freundlichkeit. Sie liess noch einen winzigen Moment die Stirn an seiner Hand um auch dieses Gefühl in ihr Herz zu ziehen und richtete sich auf, um ihr Haar und Kleid bestmöglich zu glätten . Selbst das Gefühl der Furcht vor der Reaktion ihrer Mutter auf ihr  momentanes Aussehen verblasste vor der Schwere der Situation. Sie würde eher täglich  den Unmut ihrer Mutter tragen als die Furcht und den Horror die sie bei den Gedanken an seinen Tod verspürte.

Sie lächelte Kintari an. Nie würde sie seine Sorge um sie und sein Stehen an ihrer Seite in dieser Situation vergessen. Er gab ihr Gelegenheit zu ruhen und sich zu erfrischen während er Maran Gesellschaft leisten würde so dass dieser nicht allein sein musste.

Sie strich über die Finger bevor sie ihre von ihnen löste und drückte Kintari einen sanften Kuss auf die Wange während sie nach oben stieg um sich zu waschen, um zu ziehen und Essen für Maran ab zu holen.

Sie würde auf die Götter vertrauen. Welch andere Wahl hatte sie denn?

 

 

Comments

natricislibri SuYi

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.