Zeiten des Sturms

Dieses Herz in ihrer Brust

Wind glitt über ihr Gesicht und spielte sanft mit ihren Haaren.

Das bekannte Rauschen der Wellen, übertönt von Anrils Befehlen und dem aufgeregten Geplapper der Zwillinge erfüllte ihre Ohren während die Flutenwandler auf ihrem Weg auf das Meer hinaus Fahrt aufnahm und sie versuchte sich tief in ihr Innerstes sinken zu lassen, dorthin wo sich der Raum inneren Friedens befand den sie mit Vildaus Hilfe aufgebaut hatte.

Es fiehl ihr in letzter Zeit schwerer sich ihm zu nähern, zu viele Gefühle und Ablenkungen erfüllten ihren Geist und ihr Herz. 

Als wären die Umstände und Ereignisse in letzter Zeit nicht schon zu schwer gewesen, die Zukunft nicht bedrohlich genug und die Offenbarungen ihrer Herkunft sowie die damit einhergehenden Gefahren nicht nur für sie selbst sondern auch für ihre Gefährten nicht bereits zu viel als dass sie ein Sterblicher tragen sollte, so fiehl ihr nun zum denkbar unpassendsten Augenblick unter den ungünstigsten Umständen ihr eigenes Herz in den Rücken.

Wie kämpfte man gegen sich selbst wenn das Herz so schwach und die Bedrohung von aussen so stark?

Wie konnte sie nur so fühlen wenn es doch ihren liebsten Gefährten so schlecht erging?

Wenn sie in Anrils Augen die Schatten seines Schmerzes sah und Kintaris Rücken sich unter der Last eines Schicksals beugte das so grausam sie alle verband?

Wenn sie stark sein musste und tapfer, sich aufrichten und die beiden unterstützen?

Und doch schmerzte ihr Herz wenn sie sie beobachtete und ihre Nähe zueinander, sie ihre Augen sah wenn sie sich trafen und sie sich zurück sehnte an den Strand wo diese tiefe raue Stimme so sanft erklang und sie so tief berührte. 

Wenn sie kaum mehr ersehnte als dort zu sein, nur zu zweit unter dem Sternenhimmel und dort verweilend, fernab von der grausamen Wirklichkeit.

Und grausam war sie. So lange hatte sie nichts tieferes empfunden, noch nie diesen seltsamen Wunsch in ihrer Brust verspürt, den sie nicht näher zu fassen bekam. Doch ersehnte sie seinen seltsam intensiven Blick der auf ihr ruhte, verstörend in seiner Intensität aber so fokussiert auf ihr, dass es ihr das Gefühl gab das einzige zu sein in dieser Welt das er sah.

Sie schluckte.

Wie fürchtete und ersehnte sie diesen Blick. So unhöflich und aufdringlich er war, so gab er ihr Stärke in seiner Ruhe und Kraft und wärmte ihr Inneres so sehr.

So kurz der Aufenthalt auf der Insel auch gewesen, sie hatte sich gefreut einige Zeit von ihm getrennt zu sein in der Hoffnung diesem Gefühl zu entrinnen. Doch sie hatte sich verschätzt. Sie hatte ihn vermisst, hatte sich klein und schwach gefühlt als fehlte ihr ein Teil von sich.

Vildau hatte gesagt sie solle ihrem Herzen folgen auch wenn alles dagegen sprach, in Anios Sinne handeln und auf die Liebe vertrauen. 

Liebe… war es das?

Sie kannte das Gefühl nicht, nicht so. Sie war noch nie verliebt gewesen, hatte ihr Herz noch nie verschenkt.

Sicher, sie liebte viele Wesen, sah sie doch die Schönheit in ihnen und ihre Kraft und wollte diese erhalten, aber das was Anril und Kintari verband hatte sie nie empfunden.

Sollte es diesem Gefühlswirrwarr in ihrem Herzen gleichen verstand sie warum mach einer ob der Liebe dem Wahnsinn verfiehl.

Ein Scharren von Krallen zu ihrer Rechten als er an ihr vorbei schritt und ihr Herz schlug schneller als zuvor. 

Sie atmete tief ein und versuchte sich grade zu halten.

Ihr Herz schmerzte.

Hätte es nicht einen Alben auf der Insel treffen können, jemanden der bei ihr sein würde wenn sie alterte?

Jemanden den ihre Familie akzeptieren könnte?

Jemanden der von ihrer Art war?

Jemand der mit Sicherheit kein Spion wäre wie alle vermuteten?

Sie rang mit den Tränen.  Wie gerne würde sie ihr Gesicht in sein weiches Fell drücken um darunter die stählernden Muskeln zu fühlen, sich von seiner Stimme in den Schlaf wiegen lassen und dieses schwere Schicksal mit ihm teilen und auf sein Herz vertrauen können.

Aber wie solle dies jemals geschehen? Selbst wenn er ihre Gefühle teilen würde wäre die Welt gegen sie.

Sollte er die Seealben verraten würde er sterben. Sie wusste es und wusste dass ihr ganzer Geist dem zustimmte.

Doch ihr Herz weinte bei dem Gedanken daran und weigerte sich zu akzeptieren, dass dies dann der einzige Weg war.

Sie atmete tief durch. Wie hatte dieses Gefühl sie nur so schnell treffen können? Und so schwer?

Sie  begann zu Anios zu beten. Was sollte sie anderes tun als zu vertrauen? Sie würde Vildau vertrauen und dem mächtigen Anios ebenfalls.

Vielleicht sah sie die Welt zu schlecht. Vielleicht auch nicht.

Sie wusste nicht, was passieren würde. Das lag in der Hand der Götter.

Ihr Atem zitterte.

Sie spürte ihn. Den Blick.

Wie eine Liebkosung auf ihrer Haut schmiegte er sich an sie. 

Sie würde versuchen daraus Kraft zu ziehen auch wenn er ihr Innerstes erzittern liess, schlimmer als es der Schlag des Zwerges hatte.

Vertrauen auf die Götter hatte sie stets begleitet und gestärkt. Sie musste darauf vertrauen dass sie ihr Kraft geben würden alles zu überstehen, so furchtbar es auch werden möge.

Sie öffnete ihre Augen und drehte ihren Kopf bis sie seinem intensiven Blick begegnete und gestattete sich vielleicht zum ersten Mal seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu genießen.

Dann neigte sie ihren Kopf etwas zur Seite und lächelte ihn an.

 

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natricislibri SuYi

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